Ich bin im Stress! Sie etwa nicht?

Ich bin im Stress! Sie etwa nicht?

 

Sie sind im Stress?! Gottchen, was kann ich Sie verstehen. Ich nämlich auch.

Wie wieso? Was soll die Frage? Bitte nicht jetzt. Ich muss diesen Text hier schreiben. Und zwar diese Woche noch. Und heute ist schon Dienstag! Gestern konnte ich nicht. Da war ich im Supermarkt. Gleich in der Früh. Weiß ich, ob die später noch haben was ich will? Ich also als erste um zehn vor acht vor der verschlossenen Tür. Eine Minute nach machen die auf. Frechheit! Als hätt ich meine Zeit gestohlen.

Eichhörnchen großNach endlosem Gesuche – mich stresst das total, dass die ständig alles umräumen – bin ich endlich an der Kasse.

Vor mir die Mutter einer Schulfreundin meiner Tochter. Arbeitet nix. Die vier Kids so gut wie alle aus dem Haus, der Gatte scheffelt die Kohle. Und sie? Fitnessstudio, Kohle raus, Klamotten rein und monatlich ’ne neue Haarfarbe.

Momentan gibt sie den Pumuckl. Knallrot und eine Frisur, als hätte sie morgens den Finger in die Steckdose gesteckt. Jetzt trippelt sie nervös in pinken Sneakern vor mir rum und schaut hektisch auf ihre quietschgrüne Madison-Uhr. Meine Güte. Die Frau ist über 50. Genervt dreht sie sich um und – oh nein!!! sieht mich! Muss das denn sein? Ich bin doch eh schon im Stress.

Ihre orangefarbenen Lippen, farblich das einzige das zu ihren Haaren passt, öffnen sich zu einem strahlenden Lächeln. Strahlend ist dabei allerdings weniger die falsche Herzlichkeit als vielmehr die gebleachte Zahnleiste, die grellweiß mein Sichtfeld blendet. Sofort fällt mir ein, dass ich meine Badezimmerkacheln mal wieder reinigen müsste.

„Hi duuu!“, quietscht es lauthals. „Was machst du denn hier?“ – Herrje! Dumme Fragen stressen mich sowas von. Geht gar nicht!

Kurz drauf räumt sie die gescannten Artikel in ihr pink-orange-rotes Körbchen, plappert eifrig multitaskend auf mich ein, zahlt nebenbei und fragt schließlich „Und? Wie geht’s?“

Ich hab noch nicht mal Luft geholt, um ihr zu sagen, dass ich momentan sehr im Stress bin, da quietscht es auch schon wieder: „Du ich muss. Wir haben am Wochenende Gäste und ich muss noch mit dem Caterer die Menüfolge besprechen. Ich bin im Stress. Mach’s gut. Ich ruf dich an.“

Wissen Sie was mich am meisten stresst? Mit Leuten reden zu müssen, die nichts zu tun haben, aber ständig erzählen, sie seien im Stress.

Aber Schluss jetzt. Ich lebe schließlich allein und habe somit niemanden, der mir hilft. Also muss ich mich um alles selber kümmern. Und heute Abend um acht ist schon wieder Tagesschau. Ich weiß überhaupt nicht wie ich das alles schaffen soll.

Also Freunde, ich muss! Aber wir hören voneinander, ja? Ich melde mich.

Die Isa

2 thoughts on “Ich bin im Stress! Sie etwa nicht?

  • 16. November 2015 at 19:03
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    Danke für deinen frischen Schreibstil
    Hoffe es kommt an

    Reply
    • 16. November 2015 at 19:09
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      Vielen Dank für diesen ersten und dann auch so netten Kommentar. Freut mich

      Reply

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